


m Burggarten von Wels steht ein Baum, den viele nur kurz anschauen und weitergehen – der Taschentuchbaum, der im Frühling seine weißen „Tücher“ in den Himmel hängen lässt, als hätte jemand die Wäsche vergessen. Ich bin darunter gestanden, schau nach oben, und genau in dem Moment sitzt da eine Taube auf einem Ast und schaut mich an, als hätte sie einen Auftrag. Nicht irgendeine Taube – die ist geschickt worden, und zwar von Kaiser Maximilian persönlich. Ihre Aufgabe? Aufpassen, beobachten und schauen, ob in Wels noch alles halbwegs in Ordnung ist. Sie rückt ein Stück näher, legt den Kopf schief und mustert mich, als würde sie entscheiden, ob ich unter „passt schon“ falle oder eher unter „den merk ich mir“. Und während über uns die weißen Blätter wie Taschentücher im Wind flattern, wirkt das Ganze plötzlich wie eine Szene aus einer anderen Zeit. Vielleicht ist der Baum mehr als nur ein Baum, vielleicht ein Treffpunkt zwischen früher und heute – und die Taube halt der kleine Kurier, der ab und zu nachschaut. Ich hab sie dann lieber in Ruhe gelassen… man weiß ja nie, was sie dem Kaiser berichtet.



