Pensionist – jetzt geht’s erst richtig los
Weil i jetzt Zeit hab – und was draus mach
Heute: Lehrer
Heute hab i mir gedacht: Jetzt wird’s ernst – heute bin i Lehrer, mit Hemd, Sakko und einem Blick, als wüsst i alles, zumindest hab i so getan, weil ein bissl Selbstvertrauen gehört ja dazu. Ich stell mi vor die Tafel, nehm den Stift und schreib ganz wichtig „Mathematik“, dreh mi um und seh in Gesichter, die ungefähr so schauen wie ich früher – leicht skeptisch, ob das heute was wird. „Also… y = mx + c“, sag i und nick dabei so, als wär das völlig logisch, dabei hab i innerlich schon kurz überlegt, was das nochmal genau war. Ich erklär weiter, mit viel Einsatz und noch mehr Überzeugung, red über Steigungen, Linien und irgendwas mit Achsen, und merk nach zwei Minuten: Jetzt bin i selber irgendwo falsch abgebogen. Da meldet sich einer und fragt ganz trocken: „Und was bedeutet das?“ – ich schau auf die Tafel, schau ihn an und denk mir: Gute Frage, wirklich gute Frage. Also hab i das gemacht, was jeder gute Lehrer in so einem Moment macht: einfach weitergeredet, ein bissl drum herum erklärt, ein paar Beispiele erfunden und so getan, als wär genau das der Plan gewesen. Nach zehn Minuten hab i endgültig nimmer gewusst, wo Anfang und Ende war, aber die Stimmung war gut, einer hat gelacht und gemeint: „Sie sind lustig“, und da hab i gewusst – vielleicht kein Mathematikgenie, aber zumindest kein Totalausfall. Am Ende hab i gesagt: „Wisst’s was, wichtig ist nicht die Formel, sondern dass ihr euch bemüht“, und während die gelacht haben, hab i mir gedacht: Lehrer sein ist gar nicht so leicht, aber unterhaltsam ist es auf jeden Fall.

