Heute habe ich beschlossen, mich als Postler zu versuchen. Schließlich kann es ja nicht so schwierig sein, dachte ich mir. Ein paar Briefe einstecken, ein paar Pakete ausliefern, freundlich grüßen und am Ende des Tages wieder heimfahren. So ungefähr hatte ich mir das vorgestellt.
Schon nach wenigen Minuten musste ich feststellen, dass meine Theorie mit der Realität ungefähr so viel gemeinsam hatte wie ein Papierflieger mit einem Jumbojet. Vor mir lag ein großer Stapel Briefe, dazu Pakete in allen Größen und Formen. Manche Häuser hatten die Hausnummer direkt am Eingang, andere hatten sie irgendwo hinter einem Blumentopf versteckt. Wieder andere schienen die Hausnummer überhaupt nur aus Tradition zu besitzen.
Mit meinem Fahrrad machte ich mich auf den Weg. Anfangs lief alles wunderbar. Die ersten Briefe fanden ihren Platz im Postkasten und ich fühlte mich bereits wie ein erfahrener Zusteller. Doch dann begann das Chaos. Ein Brief wollte zur Nummer 14, die Nummer 14 lag aber zwischen der Nummer 8 und der Nummer 27. Zumindest kam es mir so vor. Während ich noch rätselte, ob ich mich verlaufen hatte oder die Straße einfach ihren eigenen Sinn für Humor besaß, beobachtete mich ein kleiner Hund neugierig von einem Gartenzaun aus.
Wenig später stand ich vor einem Paket, das ungefähr die Größe eines Kühlschranks hatte. Ich fragte mich ernsthaft, was die Leute heutzutage alles bestellen. Vielleicht war es ein Kühlschrank. Vielleicht aber auch nur ein besonders großer Toaster. Man weiß ja nie.
Trotz aller Hindernisse arbeitete ich mich von Haus zu Haus vor. Die Menschen waren freundlich, manche freuten sich über ihre Pakete sogar mehr als über Besuch. Besonders eine ältere Dame strahlte übers ganze Gesicht, als ich ihr ein Päckchen überreichte. In diesem Moment verstand ich, warum dieser Beruf so wichtig ist. Der Postler bringt nicht nur Briefe und Pakete, sondern oft auch ein kleines Stück Freude.
Am Ende des Tages war ich zwar müde, aber auch ein wenig stolz. Alle Briefe waren zugestellt, alle Pakete angekommen und ich hatte großen Respekt vor den Menschen gewonnen, die diesen Beruf täglich ausüben.
Als ich mein Fahrrad abstellte, sagte ich zu mir selbst: „Klezi, du bist vielleicht kein richtiger Postler geworden, aber für einen Tag hast du dich gar nicht so schlecht geschlagen.“
Und falls morgen irgendwo ein Brief verspätet ankommt, dann hoffe ich, dass ich nicht daran schuld bin. Man weiß ja nie. Vielleicht sucht die Hausnummer 14 noch immer ihren Platz zwischen der 8 und der 27.
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