Projekt: Fotogeschichten mit Klezi Titel: Nikolaus in St. Nikola Untertitel: Wenn der Nikolaus über die Donau kommt Ort: 4381 St. Nikola an der Donau Aufnahmedatum: 06.12.2015
Ortsbeschreibung
Die kleine Donaumarktgemeinde St. Nikola liegt etwa fünf Kilometer östlich von Grein im malerischen Strudengau. Jedes Jahr am 6. Dezember wird hier ein ganz besonderes Nikolausfest gefeiert.
Die Geschichte
Am 6. Dezember 2015 besuchte ich gemeinsam mit meiner damaligen Freundin das traditionelle Nikolausfest in St. Nikola an der Donau. Schon der Festgottesdienst sorgte für eine feierliche Stimmung. Danach zog eine Prozession zum Donauufer, wo die Schiffsleute ihrer verunglückten Kameraden gedachten und einen Kranz der Donau übergaben. Anschließend warteten die Kinder gespannt auf den Höhepunkt des Tages. Anders als sonst kam der Nikolaus nicht mit der Kutsche oder zu Fuß, sondern mit einem Schiff über die Donau. Für mich war das eine ganz neue und beeindruckende Art, den Nikolaus zu erleben. Die ruhige Stimmung kurz vor Weihnachten, die Donau und das gelebte Brauchtum machten diesen Tag zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Klezi-Gedanke
Traditionen leben dort weiter, wo Menschen sie mit Herz weitergeben.
Wusstest du schon?
• Das Nikolausfest findet jedes Jahr am 6. Dezember statt. • Nach dem Gottesdienst zieht eine Prozession zum Donauufer. • Der Nikolaus reist traditionell mit dem Schiff über die Donau an und beschenkt die Kinder. • Die Kranzniederlegung erinnert an verunglückte Schiffsleute
Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, denke ich oft an unsere Ferien zwischen dem achten und zwölften Lebensjahr. Damals brauchten wir weder Handy noch Computer. Ein paar Freunde, schönes Wetter und eine verrückte Idee reichten völlig aus, um einen unvergesslichen Tag zu erleben. Eine unserer Lieblingsideen war das Kartoffelbraten an der Traun.
Schon am Vormittag machten wir uns auf den Weg. Von Lichtenegg ging es über den Mühlbach Richtung Stefansiedlung bis hinunter zur Traun. Der Weg war fast genauso spannend wie das eigentliche Ziel. Unterwegs wurde alles gegessen, was wir fanden. Am Ufer des Mühlbachs wuchsen Obst, Beeren und allerlei Gemüse. Das war unsere Wegzehrung. Hungrig musste damals jedenfalls niemand bleiben. Nur eines brauchten wir unbedingt: Feuer. Irgendwo fanden wir glimmende Glut oder bekamen von jemandem ein brennendes Streichholz. Damit zündeten wir später unser Lagerfeuer an.
An der Traun angekommen, lagen gleich daneben große Kartoffelfelder. Aus heutiger Sicht würde man wohl sagen, dass wir Kartoffeln gestohlen haben. Damals waren wir aber überzeugt, dass bei einem riesigen Feld ein paar Kartoffeln sicher niemandem auffallen würden. Also holte jeder ein paar Stück, wir bauten aus Steinen eine Feuerstelle und schon loderten die Flammen. Die Kartoffeln verschwanden mitten in der Glut. Es dauerte nicht lange, bis sie fertig waren. Die Schale war tiefschwarz und voller Asche, aber das störte uns überhaupt nicht. Noch heute glaube ich, dass ich nie wieder so gute Kartoffeln gegessen habe wie damals am Ufer der Traun.
Nach dem Essen gehörte für uns noch etwas dazu. Irgendjemand hatte einmal den Spruch gehört: „Nach dem Essen sollst du rauchen.“ Also suchten wir uns eine Liane, schnitten ein Stück ab und taten so, als wären wir große Männer. Das Ergebnis war katastrophal. Die Liane brannte höllisch auf der Zunge, schmeckte fürchterlich und brachte uns zum Husten, dass uns fast die Tränen kamen. Natürlich wollte keiner zugeben, dass ihm schlecht wurde. Jeder tat so, als wäre das völlig normal. Schließlich waren wir ja schon groß.
Wenn ich heute daran denke, muss ich herzlich lachen. Aus ein paar Kartoffeln, einem Lagerfeuer und einer dummen Idee entstand einer der schönsten Ferientage meiner Kindheit. Genau solche einfachen Erlebnisse sind es, die man ein Leben lang nicht vergisst.
Heute habe ich mir gedacht: Feuerwehrmann, das wäre doch etwas für mich. Ein Beruf mit Verantwortung, Technik und einem roten Auto, das schon von Weitem Eindruck macht. Außerdem heißt es immer, Feuerwehrleute brauchen Mut, Kraft und einen kühlen Kopf. Mut habe ich, Kraft teile ich mir gut ein, und der kühle Kopf kommt spätestens dann, wenn mir das Löschwasser über die Stirn läuft.
Also zog ich die schwere Einsatzkleidung an. Bereits nach wenigen Minuten wusste ich, warum Feuerwehrleute so gut trainiert sind. Andere Menschen gehen ins Fitnessstudio, Feuerwehrleute ziehen sich einfach an. Hose, Jacke, Stiefel und Helm – fertig war Klezi, der vermutlich älteste Feuerwehrneuling weit und breit. Im Spiegel sah ich erstaunlich fachmännisch aus. Das stärkte mein Selbstvertrauen ungefähr so lange, bis man mir den Löschschlauch in die Hand drückte.
So ein Feuerwehrschlauch sieht auf einem Foto friedlich aus. In Wirklichkeit erinnert er eher an eine sehr lange, störrische Schlange, die nur darauf wartet, dass endlich Wasser durch sie hindurchschießt. Ich stellte mich breitbeinig hin, nahm das Strahlrohr mit beiden Händen und blickte möglichst ernst nach vorne. Sicherheitshalber fragte ich, ob hinter mir genügend Platz sei. Man muss seine erste unfreiwillige Flugstrecke schließlich ordentlich planen.
Dann kam das Kommando: Wasser marsch! Ich drehte vorsichtig auf. Zuerst kam nur ein wenig Wasser, und ich dachte schon: Das ist ja einfacher als Blumengießen. Im nächsten Augenblick hatte der Schlauch offenbar beschlossen, mir zu zeigen, dass er kein Gartengerät ist. Er zuckte am Boden, das Strahlrohr drückte kräftig gegen meine Hände und mein linker Fuß suchte ganz von selbst eine stabilere Stellung.
Trotzdem blieb ich stehen. Der Wasserstrahl ging gerade nach vorne, und für einige Sekunden sah ich aus, als hätte ich mein Leben lang nichts anderes gemacht. Langsam führte ich den Strahl von links nach rechts. Ein bisschen zu weit links, ein bisschen zu weit rechts, dann wieder genau in die Mitte. Ich war stolz auf mich. Das Feuer wäre vermutlich gelöscht worden – vorausgesetzt, es hätte höflich dort gebrannt, wohin ich gerade zielte.
Dann passierte das kleine Missgeschick, das zu einem echten Klezi-Einsatz natürlich dazugehört. Der Schlauch ruckte noch einmal, und ich drehte mich ein Stück zu weit. Der Wasserstrahl wanderte gefährlich nahe in Richtung Feuerwehrfahrzeug. Ich stellte sofort wieder richtig, denn ein Feuerwehrauto zu waschen war nicht Teil der Übung. Obwohl es danach wahrscheinlich schöner geglänzt hätte.
Nach und nach bekam ich ein Gefühl für den Druck. Ich hielt das Strahlrohr ruhiger, bewegte es kontrolliert und achtete darauf, dass der Schlauch nicht wieder eigene Ideen entwickelte. Plötzlich passte alles zusammen: fester Stand, beide Hände am Rohr und der Blick genau dorthin, wo das Wasser hinmusste. Das war mein kleines Erfolgserlebnis. Vielleicht war ich noch kein richtiger Feuerwehrmann, aber ich sah zumindest schon überzeugend danach aus.
Am Ende drehte ich das Wasser ab, senkte das Strahlrohr und nickte zufrieden. Die Kleidung war schwerer geworden, meine Arme spürten die ungewohnte Arbeit, und der Schlauch lag wieder ganz harmlos am Boden. Genau das ist vermutlich sein Trick: Nach dem Einsatz tut er so, als wäre überhaupt nichts gewesen.
Natürlich weiß ich, dass der Beruf des Feuerwehrmannes kein Spaß ist. Feuerwehrleute rücken aus, wenn andere Menschen Hilfe brauchen, und sie müssen sich hundertprozentig aufeinander verlassen können. Davor habe ich großen Respekt. Meine kleine Übung zeigte mir, wie viel Kraft, Können und Ruhe selbst hinter einer scheinbar einfachen Bewegung steckt.
Vielleicht bin ich morgen schon wieder etwas anderes – aber heute war ich Feuerwehrmann. Und falls irgendwo ein Gartenschlauch außer Kontrolle gerät: Ich wäre jetzt zumindest vorbereitet. Wasser marsch!
Projekt: Fotogeschichten mit Klezi Titel: Archaisches Fragment Untertitel: Kunst zum Nachdenken Ort: Bad Hall – Kurpark am Sulzbach Aufnahmedatum: 03.12.2013
Ortsbeschreibung
Der Kurpark Bad Hall zählt zu den schönsten Parkanlagen Oberösterreichs. Entlang des Sulzbachs entdeckt man gepflegte Grünflächen und außergewöhnliche Kunstwerke. Das ‚Archaische Fragment‘ ist einer der markantesten Blickfänge.
Die Geschichte
Während meiner Zeit als Nachtportier im Kurhotel Vitana nutzte ich viele freie Stunden, um den Kurpark von Bad Hall mit meiner Kamera zu erkunden. Bei einem meiner Fotospaziergänge entdeckte ich nahe einem Spielplatz dieses gewaltige Kunstwerk. Schon beim ersten Blick blieb ich stehen. Je länger ich das ‚Archaische Fragment‘ betrachtete, desto mehr Gesichter und Formen glaubte ich darin zu erkennen. Ich suche nicht nur schöne Landschaften, sondern Motive, die Fragen aufwerfen und die Fantasie anregen. Gleichzeitig hatte ich wieder ein interessantes Ausflugsziel für unsere Kurgäste gefunden. Das Foto entstand am 3. Dezember 2013 und erinnert mich bis heute daran, dass Kunst manchmal mehr sagt als tausend Worte.
Klezi-Gedanke
Manche Kunstwerke geben keine Antworten – sie stellen die besseren Fragen.
Wusstest du schon?
• Das ‚Archaische Fragment‘ zählt zu den bekanntesten Kunstwerken im Kurpark Bad Hall. • Der Kurpark umfasst rund 34 Hektar. • Entlang des Sulzbachs laden Kunstwerke und Spazierwege zum Entdecken ein.
Wer braucht schon teure Modellboote, wenn man leere Eisbecher hat?
Der Gießerbach im Welser Freibad war ein Highlight meiner Kindheit. Jedes Mal, wenn wir im Freibad waren, gingen wir zuerst auf Bechersuche. Wir räumten die Mistkübel aus und sammelten so viele leere Eisbecher wie möglich. Manchmal waren es zwanzig, manchmal sogar hundert Stück.
Mit unserer Beute marschierten wir zur ersten Holzbrücke an der Grundstücksgrenze des Freibades. Dort setzte jeder seinen Eisbecher vorsichtig ins Wasser. Dann begann das große Rennen.
Wir liefen die rund 200 Meter lange Strecke entlang des Gießerbachs bis zur zweiten Holzbrücke und feuerten unsere kleinen Boote an. Manche blieben an Ästen hängen, andere drehten sich im Kreis und einige schafften es tatsächlich bis zur Traun.
Für uns war das jedes Mal das Highlight eines Badetages. Je mehr Eisbecher wir gesammelt hatten, desto spannender wurde das Rennen. Einen Pokal gab es natürlich nicht – nur jede Menge Gelächter und strahlende Kinderaugen.
Heute hab i mir gedacht: Boxen schaut eigentlich ganz einfach aus. Zwei Handschuhe anziehen, a bissl herumhüpfen und den Gegner treffen. So schwer kann des doch ned sein.Kaum hatte i die Boxhandschuhe an, hab i allerdings gemerkt, dass die Dinger schwerer sind, als sie ausschauen. Allein die Hände oben zu halten war schon fast ein Training für sich.
Der Trainer grinste und sagte: „Klezi, beim Boxen gewinnt ned der Stärkste, sondern der Gscheiteste.“Na gut, denken kann i ja. Die ersten Übungen waren harmlos. Locker bewegen, Deckung oben lassen und ein paar Schläge gegen den Sandsack. Der Sandsack hat sich tapfer gewehrt – zumindest hat er sich keinen Millimeter bewegt. Dafür hab i nach jedem Schlag gmerkt, dass da Muskeln arbeiten, von denen i gar ned gewusst hab, dass i sie überhaupt hab.
Dann kam der Trainingspartner.
I hab mi vorsichtig hingestellt und versucht, möglichst professionell auszuschauen. Wahrscheinlich hab i eher wie einer ausgeschaut, der den Bus verpasst hat. Der erste Schlag ging komplett daneben. Der zweite auch.
Beim dritten hab i mich selber fast aus dem Gleichgewicht gebracht. Mein Trainingspartner musste lachen, und i gleich mit. Nach ein paar Minuten wurde es aber besser. I begann, seine Bewegungen zu lesen. Ein Schritt nach links, Deckung hoch, kleiner Haken – und tatsächlich traf i zum ersten Mal sauber den Boxhandschuh meines Gegners. „Na schau“, sagte der Trainer, „jetzt wird’s langsam.“ Des hat natürlich motiviert. Beim nächsten Angriff wich i elegant aus und setzte einen schönen rechten Schlag. Mein Gegner machte einen Schritt zurück und hob lachend beide Hände.
„Punkt für Klezi!“
I hob ebenfalls die Handschuhe in die Höhe und grinste übers ganze Gesicht. Natürlich war i danach komplett außer Atem. Wer glaubt, Boxen besteht nur aus Zuschlagen, der hat noch nie drei Minuten im Ring gestanden. Da läuft der Schweiß schneller als auf einem Berggipfel im Hochsommer. Aber genau des hat mir gefallen. Es geht um Konzentration, Schnelligkeit, Respekt und Fairness. Nach dem Training gaben wir uns die Hand und bedankten uns gegenseitig. Da hab i wieder gemerkt: Beim Sport geht’s ned ums Gewinnen oder Verlieren. Es geht darum, gemeinsam Spaß zu haben und immer wieder etwas Neues auszuprobieren. Und genau deshalb freu i mi schon auf die nächste Herausforderung. Vielleicht bin i morgen wieder was anderes – aber heute war i eben Boxer.
Projekt: Fotogeschichten mit Klezi Titel: Kugelstein Adlwang Untertitel: Der rätselhafte Kugelstein von Adlwang Ort: 4541 Adlwang Aufnahmedatum: 03.12.2013
Ortsbeschreibung
Die Gemeinde Adlwang liegt zwischen Bad Hall und Nußbach und zählt zu den ältesten Wallfahrtsorten Oberösterreichs. Natur, Geschichte und Spiritualität bilden hier eine ganz besondere Einheit.
Die Geschichte
Manche Orte ziehen einen magisch an. Der Kraftort Adlwang war für mich genau so ein Platz. Während meiner Zeit als Nachtportier im Kurhotel Vitana in Bad Hall suchte ich immer wieder nach interessanten Ausflugszielen für unsere Kurgäste. So führte mich mein Weg nach Adlwang, wo ich den geheimnisvollen Kugelstein entdeckte. Der Sage nach steckten Frauen ihre Hand durch das Loch im sogenannten Kultstein, um für eine gute Geburt und ein gesundes Kind zu bitten. Bis heute kann niemand mit Sicherheit erklären, wie dieser gewaltige Stein an seinen Platz gelangte. Gerade solche Geschichten faszinieren mich, denn sie verbinden Natur, Geschichte und alte Überlieferungen. Das Foto entstand am 3. Dezember 2013 und erinnert mich bis heute an einen Ort voller Ruhe und Geheimnisse.
Klezi-Gedanke
Nicht jedes Rätsel muss gelöst werden – manche machen einen Ort erst wirklich besonders
Während meiner Zeit als Spengler passierte mir einmal ein Arbeitsunfall, den ich bis heute nicht vergessen habe. Wir arbeiteten gerade auf dem Dach eines Hauses. Ich schleppte eine schwere Kupferblechrolle nach oben, die ich auf einem Kamin abstellen wollte. Doch plötzlich rutschte mir die Rolle aus den Händen. Die rasiermesserscharfe Blechkante erwischte meine rechte Hand und schnitt tief hinein. Als ich auf die Verletzung blickte, wurde mir ganz anders. Die Wunde war so groß, dass sogar der Knochen zu sehen war. Ohne lange nachzudenken, zog ich mein Leibchen aus, presste es auf die Hand und versuchte verzweifelt, die Blutung zu stoppen.
Mein Chef kam herbeigeeilt, sah sich das Ganze kurz an und sagte völlig gelassen: „Da unten links bei dem braunen Haus ist ein Arzt. Geh schnell hinunter.“ Also machte ich mich mit meiner blutenden Hand auf den Weg. Endlich angekommen, entdeckte ich draußen ein Schild mit der Aufschrift „Ordination“. Erleichtert öffnete ich die Eingangstür, ging durch die nächste Tür – und blieb wie angewurzelt stehen. Überall bellten Hunde, Katzen miauten aus ihren Transportboxen und ein Papagei krächzte lautstark. Erst in diesem Moment wurde mir klar, dass mich mein Chef nicht zu einem Arzt, sondern zu einem Tierarzt geschickt hatte.
Mit meiner blutenden Hand drehte ich mich wortlos um und verließ die Praxis wieder. Direkt gegenüber wohnte zum Glück eine Bekannte. Sie brachte mich sofort ins Krankenhaus, wo die Wunde genäht und ordentlich versorgt wurde. Einige Stunden später stand ich mit dickem Verband wieder auf der Baustelle und fragte meinen Chef, ob er eigentlich verrückt sei, mich mit einer solchen Verletzung zum Tierarzt zu schicken.
Er grinste nur und sagte völlig trocken: „Warum nicht? Der Tierarzt hätte das wahrscheinlich genauso gut genäht. Der behandelt schließlich größere Viecher als dich.“ Damals fand ich den Spruch überhaupt nicht lustig. Heute muss ich jedes Mal schmunzeln, wenn ich daran denke. Schmerzen vergehen – aber solche Geschichten bleiben für immer.
Heute hab i mir gedacht: Skifahren kann i doch sicher noch. So schwer wird des nach all den Jahren wohl ned sein. Zwei Ski anschnallen, den Berg runterfahren und unten gemütlich einkehren. Klingt eigentlich nach einem perfekten Tag.
Schon beim Anziehen der Skischuhe hab i allerdings gemerkt, dass die Dinger härter sind als manche Bürostühle. Bis i endlich drinnen war, hab i mich gfühlt, als hätt i schon den ersten Gipfel erklommen.
Mit der Gondel ging’s hinauf. Oben war die Aussicht traumhaft. Tiefblauer Himmel, glitzernder Schnee und perfekte Pisten. I hab tief durchgeatmet und mir gedacht: Jetzt gibt’s kein Zurück mehr.
Die ersten Meter waren… vorsichtig. Sehr vorsichtig. Eher gemütliches Rutschen als Skifahren. I hab jeden Schwung doppelt überlegt und dabei wahrscheinlich mehr gebremst als gefahren.
Nach ein paar Kurven wurde i mutiger. Plötzlich lief’s richtig gut. Die Ski hörten auf das, was i wollte, und i begann, schöne Carving-Schwünge in den Schnee zu ziehen. Der frische Pulverschnee spritzte links und rechts weg.
Dann kam eine kleine Bodenwelle.
I hob kurz ab.
Zum Glück nur ein paar Zentimeter.
Für einen Augenblick hab i mi gefühlt wie ein Skispringer. Bei der Landung hab i zwar ordentlich geschnauft, aber i bin stehen geblieben. Und genau des war für mi schon ein kleiner Sieg.
Je länger i unterwegs war, desto mehr Spaß machte es. I fuhr an Familien vorbei, grüßte freundlich und musste schmunzeln, als ein kleiner Bub zu seinem Papa sagte: „Schau, der Opa fährt aber schnell!“
Opa?
Na gut… wenigstens hat er ned gesagt langsam.
Kurz vor dem Ziel nahm i noch einmal richtig Schwung. I legte zwei schöne Kurven in den Schnee und bremste direkt vor der Hütte mit einer riesigen Schneewolke ab.
Der Schnee flog in alle Richtungen.
Die Leute auf der Terrasse klatschten und einer rief lachend: „Des war a Punktlandung!“
I hob beide Skistöcke in die Höhe und grinste übers ganze Gesicht.
Beim wohlverdienten Kaiserschmarrn dachte i mir dann, dass Skifahren viel mehr ist als nur den Berg hinunterzufahren. Es ist Freiheit, frische Luft und das herrliche Gefühl, wieder einmal etwas Neues oder vielleicht auch Altes neu erlebt zu haben.
Natürlich werd i nie ein Weltcupfahrer werden.
Aber des muss i auch gar ned.
Denn wichtig ist nur, dass ma Spaß dabei hat.
Vielleicht bin i morgen wieder was anderes – aber heute war i eben Skifahrer.
Projekt: Fotogeschichten mit Klezi Titel: Burghausen Untertitel: Auf Motivjagd in der längsten Burg der Welt Ort: Burghausen, Bayern Aufnahmedatum: 05.08.2012
Ortsbeschreibung
Burghausen liegt an der Salzach in Bayern und ist vor allem für die längste Burganlage der Welt bekannt. Die mächtige Festung zieht jedes Jahr unzählige Besucher an. 2012 war Burghausen einer der Austragungsorte der Oberösterreichischen Landesausstellung zum Thema der gemeinsamen Geschichte Oberösterreichs und Bayerns.
Die Geschichte
Zur Landesausstellung 2012 führte mich mein Weg erstmals nach Burghausen. Schon beim Betreten der Burg war ich von ihrer Größe beeindruckt. Seither bin ich noch viele Male hierher zurückgekehrt, denn diese Burg hat für mich etwas Besonderes. Der stolze Klezi-Ritter muss schließlich jeden Winkel erkunden. Beim Rundgang entdeckte ich die aufgeschichteten steinernen Kanonenkugeln. Sie dienten früher als Munition für Belagerungsgeschütze und sind heute eines der beliebtesten Fotomotive der Burg. Mich faszinierte nicht nur ihre Geschichte, sondern auch die perfekte Anordnung der Kugeln. Auf Burgen und Ruinen fühle ich mich fast wie zuhause – vielleicht wäre ich tatsächlich ein guter Ritter geworden.
Klezi-Gedanke
Alte Mauern erzählen Geschichten – man muss ihnen nur zuhören.